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Thierry Boissel –
Poesie aus Licht, Glas und Farbe

DEUTSCHES GLASMALEREI MUSEUM LINNICH

11. April – 30. August 2015
Eröffnung: Samstag, 11. April 2015, 16 Uhr

 

 

Thierry Boissel (geb. 1962 in Saint-Valery en Caux, Frankreich) ist ein Künstler, der sich in unterschiedlichen Medien ausdrückt. Seit seinem Studium bei Ludwig Schaffrath (1986 – 1991) an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart ist vor allem die Glasmalerei in den Mittelpunkt seines Werkes gerückt. Doch hier ist es nicht so sehr die traditionelle Bleiverglasung, die ihn reizt, sondern vielmehr das Experiment und die Arbeit mit dem Einscheibensicherheitsglas (ESG), der Technik des Schmelzverfahrens und der thermischen Verformung. Thierry Boissel leitet seit 1991 die Studien- und Experimentierwerkstatt für Glasmalerei, Licht und Mosaik an der Akademie der Bildenden Künste in München.

Neben freien Arbeiten, wie zum Beispiel die Installation „Antiphon“ im öffentlichen Raum (2007 – 2010), entstehen zahlreiche architekturgebundene Verglasungen. Hier zeigt sich, wie sensibel der Künstler auf die vorgefundene Raumsituation reagiert. Seine gläserne Trennwand beispielsweise für St. Agatha in Altenhundem/Lennestadt nimmt sich farblich zurück. Aus farblosem Glas konzipiert Boissel einen in sich abgeschlossenen Raum mit einer eigenen Erlebniswelt, der jedoch Teil des großen Kirchenraumes bleibt. Reliefartig in das Glas eingeschmolzene Punkt- und Streifenraster lassen fotorealistische Szenen erscheinen; die zeitgenössischen Figuren sind – je nach Standpunkt des Betrachters und dem jeweiligen, sich stets verändernden Lichteinfall – deutlicher oder undeutlicher wahrnehmbar. Der Betrachter ist einem ständigen Oszillieren zwischen Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit ausgesetzt. Das Deutsche Glasmalerei-Museum zeigt das große Probestück „Zeitzeugen“ (2011) aus dieser Arbeit.

Wie ein Kontrast wirkt dagegen die Werkgruppe der abstrakten „Farbgedichte“ (Couleurs de poèmes, 2011). Bei diesen meist freien Arbeiten dominiert vor allem die Farbe, die in unterschiedlicher Intensität von transparent bis deckend in runden Formen auf das Glas aufgetragen wurde. Leuchtende Farbkörper in Gelb, Rot, Orange und Blau scheinen losgelöst vom Bildhintergrund im Raum zu schweben. Hinter der scheinbar beliebigen Anordnung der Farbkleckse verbirgt sich eine Codierung: Jede Farbe ist einem bestimmten Buchstaben zugeordnet. Durch die Anordnung der Farbwerte erschließen sich Sinnzusammenhänge. Das Wort tritt neben die Farbe und vermittelt dem Betrachter in der Verschmelzung zweier sinnlicher Wahrnehmungen einen erweiterten Erlebnisraum.

Für die Ausstellung in Linnich plant Boissel eine weitere Rauminstallation, bei der es unter Einbeziehung von Spiegelungen um die Interaktion von Licht, Wand, Text und Raum geht. Auch hier erschließen sich dem Betrachter – wie in allen Werken Boissels – unendlich viele Möglichkeiten der Wahrnehmung.